Eindrücke

Am 16. Juni 2020 wurde die Bewerbung von Petra Grünfelder auf die 50%-Pfarrstelle der Evangelischen Pfarrgemeinde Timelkam in Kombination mit der hauptamtlichen Klinikseelsorge im Salzkammergutklinikum Vöcklabruck-Gmunden-Bad Ischl einstimmig angenommen. An diesem Tag hielt sie folgende Vorstellungspredigt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: „Wann kommt das Reich Gottes?“, antwortete er ihnen und sprach: „Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man's beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! Oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ (Lk 17, 20-21)

 

Liebe Gemeinde!

Hoffnung (Symbolfoto, Spross wächst durch Industrieschrott)

Was dürfen wir hoffen? Diese Frage beschäftigt uns Menschen. Darüber denken Philosophinnen und Philosophen ebenso nach wie Menschen, die in ganz unterschiedlichen Bereichen arbeiten – in der Politik, in der Medizin, in Wirtschaftsethik und Zukunftsforschung. Und es ist zutiefst auch meine Frage. Als Mensch dieser Zeit frage ich mich: was darf ich hoffen?

Ich denke an die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in unserem Land, in unseren Nachbarländern, in der Welt. Können wir umgehen mit den Herausforderungen unserer Zeit? Packen wir Krise, für Krise, für Krise? Wer ist es eigentlich, der es angeht?

Die Frage „Was darf ich hoffen?“ stellt sich mir aber auch ganz persönlich: Was darf ich hoffen … im Leben ganz allgemein, im beruflichen Alltag, was darf ich hoffen angesichts meiner Sorgen um Partnerschaft und Familie, angesichts von Gesundheit und Krankheit? Was darf ich, was dürfen wir hoffen?

Nüchtern betrachtet gibt es in der Welt nicht viel, was wirklich Hoffnung macht. Weder heute noch damals, so scheint es. Denn auch in unserem Bibeltext wird ängstlich gefragt: Wann kommt das Reich Gottes? Wie lange geht das wohl noch gut mit dieser Welt? Wann kommt endlich das Reich Gottes? Und Jesus gibt Antwort und beschreibt in seinen Gleichnissen Bilder, die uns einen Eindruck davon geben, wie es in diesem Reich zugeht. Er zeichnet Bilder mit den frohen Farben eines Festes, einer Hochzeit oder eines Abendessens. Da ist Musik drin, da wird fröhlich gefeiert. Es gibt genug zu essen und zu trinken für alle. Jede und jeder ist eingeladen und darf sich mit dem Hausherrn an einen Tisch setzen.

Im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg beschreibt Jesus das Grundgesetz in diesem Reich als eine Gerechtigkeit, bei der jeder Mensch das kriegt, was er zum Leben braucht. Niemand geht leer aus. In der Bergpredigt zeigt uns Jesus etwas von Frieden und Solidarität unter den Menschen. Bedrückte atmen auf, Traurige finden

Trost und Sorgenvolle gewinnen neue Lust am Leben. Sogar ehemalige Feinde sitzen friedlich beieinander.

Bei Jesus ist es so: nicht die Katastrophe hat das letzte Wort, sondern Gottes neuer Anfang.

Diese Hoffnung ist nichts, was man erstreiten kann – sie ist das gelegte Fundament, wie die Bibel es formuliert.

Woher kommt mir Hoffnung? Wo findet sich angesichts von Kämpfen um Macht und Geld, von Gewalt und Ungleichbehandlung so etwas wie Gottes Reich unter uns?

Wie erleben, wie spüren das unsere Kinder im heutigen Alltag? Wie die Demonstrantinnen und Demonstranten, die für ein Menschenrecht auf die Straße gehen? Oder wie die Älteren, die für einen Spaziergang für zwei Wochen im Arrest gelandet sind? Liebe Gemeinde, habt ihr ein Stück Himmel auf Erden schon mal erlebt? Oder spricht Jesus hier vielleicht von etwas, dem wir nacheifern sollen, das wir aber nie, nie erreichen können?

Ich sage Nein. Und habe dabei Jesu Worte im Ohr: Gottes Reich ist mitten unter euch. Da wo ihr, meine Jüngerinnen und Jünger seid, da bin ich auch. Da, wo wir sind, heißt das, da schenkt uns Gott den Heiligen Geist und die Kraft zu Anteilnahme und Gemeinschaft. Die Kraft der mitfühlenden Liebe. Da, wo wir sind, kann sie sich zeigen, die Herrlichkeit Gottes. Sein Reich fängt bei uns an.

Wer das weiß, darf mutig sein, kann wagen, sich für den oder die Nächste einzusetzen, Unrecht nicht „übersehen“, sondern zum Thema machen. Auch da, wo wir vor der Macht des Unglaubens nicht in die Knie gehen, sondern unseren Glauben bekennen, ist Gottes Reich mitten unter uns. Jeder Anfang zählt. Das Reich Gottes entfaltet sich in dieser Weltzeit, im Hier und Heute, es hüllt uns ein, lässt uns handeln und aufatmen. In Gottes Reich schöpfen wir neue Kraft.

Selbst wenn wir manchmal danach suchen müssen und selbst wenn die Samenkörner, aus denen das Reich Gottes wächst, noch so klein sind, es ist da. Und ich glaube fest daran: es wirkt. Gottes Reich ist mitten unter uns. Im Kleinen hat es schon begonnen und der Tag wird kommen, an dem Gott alles gut machen wird.

Liebe Gemeinde! Meine Hoffnung ist ein Weinberg, in dem ich mit so vielen stehe, ist ein Festmahl, zu dem ich und alle kommen dürfen. Meine Hoffnung ist ein Samenkorn, das wächst.

Amen.