Eindrücke

Wir stehen mitten zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. In dieser Zeit als die ersten Christinnen und Christen sich gottverlassen fühlen mussten. Ihr Jesus, den sie so grausam verloren hatten, war auf wundervolle Weise wiederauferstanden. Das muss eine überraschende Freude gewesen sein! Und dann verließ er sie aber wieder. Rauf in den Himmel zu Gott, zu dem er so ein inniges Verhältnis hatte.

Diesem endgültigen Abschied von Jesus und seinen Jüngern widmet sich der heutige Gottesdienst. Es sind harte Tage für die Jünger. Sie müssen sich umstellen.
So wie wir dieser Tage auch.
Die Jünger haben aber eine Zusage von Jesus bekommen: ich muss weggehen, damit der Tröster kommt, der Geist der Wahrheit!
So ist zwar ein Abschied da – und Abschiede sind doch so gut wie immer schwer –, aber es ist auch eine Zusage da, an die sich die Jünger klammern können: es kommt noch viel besser, aber nur wenn ich gehe.

Heute feiern wir miteinander Sonntagsgottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Der Herr Sei Mit Euch – Und Mit deinem Geist.

Sonnenuhr Kirche Timelkam

Aus Psalm 27

Der Herr ist mein Licht und mein Heil;
vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?
Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und antworte mir!


Mein Herz hält dir vor dein Wort: / »Ihr sollt mein Antlitz suchen.«
Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
verstoße nicht im Zorn deinen Knecht! Denn du bist meine Hilfe;
verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils!
Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,
aber der Herr nimmt mich auf.
Herr, weise mir deinen Weg
und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen.
Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde!
Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf und tun mir Unrecht.
Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde
die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.
Harre des Herrn!
Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

Tagesgebet

Lasst uns beten:

Es heißt: Du, Gott, bist unseres Lebens Kraft.
Warum fühlen wir uns manchmal so müde?

Es heißt: Wir müssen uns nicht fürchten.
Warum nur haben wir manchmal Angst?

Es heißt: Du, Gott, hörst uns, wenn wir zu dir rufen.
Warum nur fühlen wir uns manchmal so allein?

Erbarme dich!

Komm zu uns, Gott.
Damit wir deine Kraft spüren.
Deinen Trost.
Deine Freude.
Deine Leichtigkeit.
Das bitten wir durch Jesus Christus,
Grund unserer Hoffnung
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

Evangelium nach Johannes im 16. Kapitel (V. 5-15)

In dieser Bibelstelle spricht Jesus Christus zu seinen Vertrauten.
Ein Abschied steht an.
Da wird noch einmal etwas Wichtiges gesagt.
Darüber, was bleibt.
Dass Erinnern tröstet, wenn eine Durststrecke naht:

 

Das Werk des Heiligen Geistes

Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? Doch weil ich dies zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer.

Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden. Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen.

Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er nimmt es von dem Meinen und wird es euch verkündigen.

Halleluja

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja!

Glaubensbekenntnis

Als Antwort auf das Wort aus der Heiligen Schrift lese ich stellvertretend für uns alle das apostolische Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Amen.

Predigt zu Jer 34.31-34

Heute kommt der Predigttext aus dem Alten Testament, aus dem Buch des Propheten Jeremia im 34. Kapitel (31-24). Gott verspricht den Menschen in einem Pakt, dass sie richtig und falsch erkennen werden, dass ihnen seine Weisheit unter die Haut geschrieben sein wird.

 

Der neue Bund

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Gott, inspiriere uns durch dein Wort.

 

Kennen Sie den alten, angeblich jüdischen Witz:
Der Rebbe betet aufgewühlt: Gott, bitte hilf mir. Ich weiß nicht mehr weiter. Mein Sohn hat sich taufen lassen. Hilf mir!  
Da antwortet Gott voller Verständnis: Meiner auch!
Sagt der Rebbe: Wirklich? Und wie hast du darauf reagiert?
Meint Gott: Ich habe ein Neues Testament geschrieben.

Liebe Gemeinde,

Wenige Tage nach dem 75. Jubiläum des Kriegsendes. Der Befreiung der Konzentrationslager wie Mauthausen mit seinen Nebenlagern, müssen wir uns mit unserer unheilvollen Geschichte mit dem Judentum auseinandersetzen.

Was ich soeben vorgelesen habe, wurde auf eine tragische, auf eine fatale Weise für das Judentum missverstanden. Immer wieder. Oder sagen wir es so: die Betonung wurde falsch gesetzt.

Was gehört wurde: Siehe, es kommt die Zeit, da will ich einen neuen Bund schließen, sagt Gott. Und es ist das einzige Mal im Alten Testament, dass von einem Neuen Bund die Rede ist.

Das Lateinische Wort für Bund ist Testament. Wir kennen das Wort Testament vor allem von dem Alten Testament und dem Neuen Testament. Und wie im Witz kennen wir es natürlich auch vom „Testament“, das die Erbfolge regelt.

Was nicht gehört wurde: Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen.
Gottes neuer Bund sollte also mit Israel und Juda sein! Vielleicht wurde das auch nicht überhört, sondern so verstanden: es gibt ein neues Israel und ein neues Juda. Und das ist ganz klar das Christentum.

Gar nicht klar. Ziemlich schrecklich, dass die besondere, geschichtliche Beziehung von Gott mit Israel so übersehen wurde. Davon handelt ja letztlich das Alte Testament, summa summarum: von Gottes Beziehung mit seinem auserwählten Israel und Juda! Das kann man doch nicht einfach so übergehen! In der Geschichte wurde dieser Text aber so gedeutet: der neue Bund, das Neue Testament, das ist nur an die Gerichtet, die Jesus Christus folgen. Die Juden seien Jesus entgegengestanden, somit seien sie Gottesmörder und so weiter. Das hat natürlich dem, was in den Konzentrationslagern passiert ist, Tür und Tor geöffnet!

Wenn man sich den Text rundherum ansieht, dann sieht man, dass Gott wie ein treuer, leidenschaftlicher Ehemann charakterisiert wird: Seine Ehe mit Israel, dieser Bund, ist keine einfache, sondern Scheidung steht im Raum. Gott ist entschlossen, sich nicht scheiden zu lassen, sondern will alles tun, damit die Ehe wieder glücklich wird.

Gottes Bund mit Israel, seine Ehe, schließt aber nicht aus, dass es aus dieser Beziehung Kinder gibt. Oder vielleicht andere liebgewonnene Freunde, Schwiegerleut, die auch zur Familie gehören. Die auch von diesem Bund betroffen sind. Im Gegenteil.

„Es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.“

Es geht dann irgendwann nicht mehr darum, wer recht hat und Gott erkennt. Sondern irgendwann kommt die Zeit, in der Israel und andere – groß und klein – erkennen können, wer Gott ist.

„Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.“

Das Entscheidende ist: Gott will zu einer prophetischen Zeit in der Zukunft seinem Israel das Gesetz ins Herz schreiben. Ein Gesetz, das unter die Haut geht. Dass alle automatisch das erkennen, was Gott will. Ich gehe davon aus, dass das das absolute Gute, das beste Vorstellbare ist. Alles wird gut. Gottes Reich auf Erden verwirklicht sich.

Kein Witz: Vielleicht ist es Zeit für ein wieder neues Testament. In dem Juden:Jüdinnen und Christ:innen sich nicht gegeneinander ausspielen, mit Muslim:innen ebenso „im Bunde“. Eine Zeit des Hörens auf das Gesetz, das Gott unter die Haut schreibt.
Eine Zeit, in der es nicht mehr nötig ist, wie im heutigen Psalm zu rufen: Herr, höre meine Stimme. Weil jede und jeder schon spürt: Gott ist da.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, stärke und bewahre eure Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Musik

Ankündigungen

Folgendes ist der Gemeinde bekanntzugeben:

Die Kollekte ist heute für die eigene Gemeinde bestimmt. Herzlichen Dank allen, die spenden.

Herzlichen Dank an Dominik Stockinger an der Orgel, Ulli Johne als Küsterin, Sepp Rothauer als Ostiarier – Türsteher – und allen anderen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die diesen Gottesdienst möglich gemacht haben.

Der nächste Gottesdienst findet hier in Timelkam am Pfingstsonntag um 10:00 Uhr statt mit mir, als etwas anderer Gottesdienst.
In Frankenmarkt wird der erste Gottesdienst am 21. Juni wieder sein.

Klein aber oho, eine gemeindliche Veranstaltungsreihe findet bereits wieder statt. Der Glaubenskurs „Freiheit und Verantwortung“. Er hat am Donnerstag, Christi Himmelfahrt, begonnen und ist jetzt noch drei Mal, jeweils Dienstag, Donnerstag, Dienstag, um 19:00 Uhr hier in Timelkam.
Im Raum ist Maskenpflicht.

(Gibt es noch etwas?)

Der Wochenspruch lautet: Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich euch alle zu mir ziehen. (Joh 12,32)

Dank- und Fürbittgebet

Wir beten:

Komm, Heiliger Geist.
Durch dich wird alles neu: Erneuere unser Herz und die Welt.

Komm, Heiliger Geist.
Du schenkst Hoffnung.
Verwandle die Angst in der Welt, unsere Sorge, was werden wird.
Schenk uns Mut und Zuversicht.

Komm, Heiliger Geist.
Du bist der Geist der Freude.
Trockne die Tränen der Traurigen, gieß Trostworte in die Ohren der Trauernden.
Gib uns ein Lächeln auf die Lippen zum Weitergeben.

Komm, Heiliger Geist.
Du bist der Geist der Wahrheit.
Lass die Lügen verstummen und gebiete Einhalt denen, die andere verdächtigen und verleumden. Erfüll den Verstand mit Klarheit.

Komm, Heiliger Geist.
Du bist der Geist des Friedens.
Geh zwischen die Streitenden und öffne die Augen für Lösungen.
Mach ein Ende dem Hass auf der Welt.

Komm, Heiliger Geist.
Weise Menschen aneinander in Liebe.
Gib Acht auf die zerbrechlichen Herzen.

Komm, Heiliger Geist.
Amen.

Vater Unser

Wir hören hin, auf unsere Gedanken, die wir vor Gott bringen wollen und fassen sie zusammen, wenn wir miteinander mild und leise das Vater Unser sprechen.

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.

Amen.

Sendung und Segen

So geht hin im Frieden Gottes!

Es segne dich und behüte dich der barmherzige und menschenliebende Gott, der Vater der Sohn der Heilige Geist. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, Gott wende sich dir zu und schenke dir + Frieden.

Amen.

Lied: EG 136: O komm du Geist der Wahrheit

EG 136, 1+3+4
Text: Philipp Spitta, 1833
Melodie: 16. Jahrhundert "Entlaubet ist der Walde"
Darbietung: St. Michaelis-Chor Hildesheim