Eindrücke

Wir können uns leider noch immer nicht zum Gottesdienst in der Kirche treffen. Aber ich darf heute sagen: „Die Zeit ist bald um, wo wir uns nur aus der Ferne hören können.“ Nächsten Sonntag darf offiziell wieder Gottesdienst gefeiert werden!

Begrüßung

Wir beginnen im Namen Gottes unseres Schöpfers, im Namen Jesu, des auferstandenen Herrn, und im Namen der göttlichen Geisteskraft, die uns auf wunderbare Weise verbindet.

Kantate – „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“ Das größte Wunder hat er getan, als er Jesus Christus von den Toten auferweckt hat. Bei unserem lebendigen Herrn finden wir Ruhe für unsere Seelen, bei ihm können wir aufatmen und frei sein.

Lied „Gott ist gegenwärtig“, EG 165,1-4

Kirchenchor Timelkam mit Harfenbegleitung

Psalm 98, EG 739

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.
Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.
Der Herr lässt sein Heil kund werden, vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt
Enden sehen das Heil unseres Gottes.
Jauchzt dem Herrn alle Welt, singet, rühmet und lobet!
Lobet den Herrn mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!


Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem Herrn, dem König!
Das Meer brause und was drinnen ist, der Erdkreis und die drauf wohnen.
Die Ströme sollen frohlocken, und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn; denn er kommt, das Erdreich zu richten.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es Recht ist.

Kyrie

Gott unser Vater! Durch deine mütterliche Liebe schenkst Du uns das Leben.
Herr, erbarme Dich!

Herr, Jesus Christus, du menschgewordenes Sohn Gottes, unser Bruder!
Christus erbarme Dich!

Du heilige Geistkraft, Deine Liebe wird spürbar in der mütterlichen Liebe, die uns stärkt, hilft, Trost und Leben schenkt.
Herr erbarme Dich!

Gnadenwort

Herr Jesus Christus, Hirte willst du sein für uns sorgen und für uns da sein. Loben wir gemeinsam Gott mit einem Lied:

Lied „Laudate omnes gentes“, EG 181,6

Tagesgebet

Treuer Gott, Du bist uns nahe und ziehst bei uns ein. Dafür loben wir Dich. Dein Heiliger Geist erfülle unseren Leib und unsere Seele mit Deiner Liebe, Barmherzigkeit und Güte. Ermutige uns, aus der Barmherzigkeit zu leben und unser Leben zu gestalten. Öffne unsere Sinne und Hände für Menschen, die Deiner Barmherzigkeit bedürfen. Durch Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lied „Du meine Seele singe“, EG 302,1-4,8

Evangelium aus Lukas 19,37-40

Predigt zu 2 Chronik 5,2-14

Liebe Gemeinde!

I.

Wir Timelkamer hatten nicht immer eine eigene Gemeinde und eine eigene Kirche, sondern wir gehörten zu Vöcklabruck. Nachdem die Johanneskirche für die Katholischen Christen zu klein wurde, hat man uns gefragt, ob wir diese Kirche kaufen möchten. Am 22 Juni 1969 wurde der erste Gottesdienst gehalten. Nach einigen Verhandlungen wurde die Kirche 1980 gekauft. Damit unsere Kirche auch ein Stück Behaglichkeit verbreitet, hat man immer bauliche Maßnahmen gesetzt. Eine Heizung wurde eingebaut, die Orgel musste spielfähig gemacht werden, eine Glocke musste gekauft werden. 2009 wurde unsere Kirche renoviert und ich finde, sie ist so schön geworden. Seit der Renovierung ist die Akustik viel besser geworden. Probieren sie es einmal aus.

Am Ende des zweiten Weltkrieges wurde die deutschsprachige Bevölkerung aus Nordsiebenbürgen ausgesiedelt. Sehr viele Heimatvertriebene kamen zu uns, zuerst konnten sie Grundstücke erwerben und Häuser bauen, doch schon bald haben sie in Frankenmarkt 1971 ein Kirchlein gebaut. Das war für sie ein Stück Heimat.

Aber wie ist es zurzeit?

Wir dürfen keine Gottesdienste in der Kirche feiern. Wie geht es uns damit? Haben Sie eine andere Form gefunden um Andacht zu halten?

Ist für Sie in dieser besonderen Zeit etwas wichtig geworden, was vorher selbstverständlich war?

II. Für Gott ein Haus, sesshaft werden

Vor vielen tausend Jahren ließ Salomo, der Sohn und Nachfolger von König David, für Gott ein Haus in Jerusalem errichten. Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde es eingeweiht.

Gleich zweimal wird im Alten Testament von diesem wichtigen Ereignis berichtet: im 1. Buch der Könige und hier in unserem Predigtwort. In einer feierlichen Prozession wird die Stiftshütte mit allen heiligen Geräten samt der Bundeslade zum neu erbauten Tempel getragen. So wie das Volk Israel in Jerusalem und Umgebung einen Platz gefunden hat, wo es wohnen kann, so ist auch die Zeit des Mitwanderns der Bundeslade vorbei. Sie ist endlich angekommen: im Allerheiligsten des Hauses Gottes, und mit ihr die beiden steinernen Gebotstafeln. Damals in der Zeit der Wüstenwanderung wurde der Bund (10 Gebote) zwischen Gott und seinem Volk besiegelt. Sie besiegeln auch die für immer ins Gedächtnis der Israeliten eingebrannte Erfahrung, dass und wie Gott sein Volk aus der Knechtschaft in Ägypten befreit hat. Der Weg in die Freiheit und die Begleitung durch Gott auf dem Weg – das sind die prägenden Ereignisse für das Selbstverständnis des Volkes Israel. Das Zeichen für die Begleitung war die Wolke, in der Gott vor ihnen herging und ihnen den Weg zeigte – ein verlässliches, unmissverständliches Zeichen.

III.

Zwischen dem Bericht über die Zeit der Könige Israels und dem zweiten Bericht in 2. Chronik 5 liegt eine lange Zeit, in der ebenfalls viel passiert ist. Hinter dem Volk Israel liegt wieder eine neue Erfahrung der Wüstenzeit. Wieder ist Gottes Volk in eine aussichtslose Situation geraten. Die Verantwortlichen sind von den Wegen Gottes abgewichen und haben die Gebote Gottes missachtet. Dieses Verhalten führte in die Katastrophe: ein großer Teil des Volkes wurde ins Exil nach Babylon weggeführt. Dort in der Verbannung wurde ihnen bewusst, was sie getan hatten. Und zugleich waren sie hin und hergerissen zwischen Glauben und Zweifeln – zwischen dem Glauben, dass Gott sie nicht vergisst, und den Zweifeln, ob er sich nicht doch endgültig von ihnen abgewandt haben könnte. Doch auch wenn die Menschen den Bund mit Gott verlassen haben – Gott wird sie niemals aufgeben. Er steht unverbrüchlich zu dem, was er einmal zugesagt hat: Ich will euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein. Und dann erfahren sie wieder neu: Gott ist ein Gott, der in die Freiheit führt. Sie dürfen zurückkehren nach Jerusalem. Die Lade mit den beiden Gebotstafeln im Allerheiligsten des Tempels hält ihnen diese Erfahrung bei jedem Gottesdienst, den sie dort feiern, im Gedächtnis.

Im Rückblick auf diese zweite Erfahrung der Befreiung schreibt der Chronist die Geschichte vom Bau des Tempels durch Salomo noch einmal neu. Und es ist, wie wenn für ihn beim Nachdenken auch der Name Salomo plötzlich eine ganz neue Bedeutung bekommt. In dem Namen steckt das hebräische Wort „schalom“ – „Friede“. Aus diesem Blickwinkel heraus versteht er die Verheißung eines Sohnes an seinen Vater David neu: Siehe, der Sohn, der dir geboren werden soll, wird ein Mann der Ruhe sein; denn ich will ihm Ruhe schaffen vor allen seinen Feinden ringsumher. Er soll Salomo heißen; denn ich will Israel Frieden und Ruhe geben, solange er lebt. Und dieser Salomo darf ausführen, was seinem Vater David verwehrt geblieben ist: dem Namen Gottes ein Haus zu bauen.

IV.

Was für ein erhebender Augenblick muss es für Salomo gewesen sein, als dieses Haus des Herrn vollendet vor ihm steht. Doch er wird nicht überheblich. Er weiß: Der Himmel und aller Himmel können Gott nicht fassen; wie sollte es dann dieses von Menschen erbaute Haus tun? Aber es ist genug, wenn Gott seine Augen offen hält über diesem Haus, wenn er seinen Namen darin wohnen lässt und auf die Gebete hört, die darin an ihn gerichtet werden. Denn, so weiß Salomo: die eigentliche Wohnstätte Gottes ist der Himmel Er braucht kein Haus, keine Wohnung auf Erden. Aber die Menschen brauchen einen Ort, wo sie Gott begegnen können. Wie wir gerade lernen dürfen und müssen, muss dieser Ort nicht immer die Kirche sein. Gerade in dieser Zeit wird uns das richtig bewusst.

Und genau so einen Ort schafft Salomo und umso bedeutsamer möchte er auch die feierliche Einweihung gestalten. Salomo greift dabei auf erfahrene Sänger und Musiker zurück, die auch sein Vater David schon geschätzt hatte. Eine überwältigende Zahl, ein beeindruckender Klang muss es gewesen sein – wie bei der Aufführung eines Bach-Oratoriums heute. Doch, dass die Menschen Gottes Gegenwart erfahren, dass er mit seiner Herrlichkeit das Haus erfüllt, das kann trotz sorgfältiger Vorbereitung und Durchführung der Feier niemand garantieren.

Und so kann man nur mitstaunen, sich mitfreuen über das Wunder das da geschieht: Dass alle Sänger und Musiker miteinander Gott wie mit einer Stimme loben und gemeinsam einstimmen in den Gesang: „Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig.“ Und wieder ist es eine Wolke, die Gottes Dasein anzeigt. Sie schlägt den Bogen von der Begleitung Gottes in der Wüstenzeit zum Tempel als Ort der Gegenwart Gottes.

Kirchenchor Timelkam

V.

Zu Beginn des Gottesdienstes haben wir gesungen: Gott ist gegenwärtig. So haben es Salomo und das Volk Israel bei der feierlichen Einweihung des Tempels erlebt.

Das ist es wohl, was wir uns alle wünschen: Dass Gott in unserer Mitte gegenwärtig ist, wenn wir in seinem Namen miteinander Gottesdienst feiern. Dass wir ihn hören können – durch ein Wort, das uns anspricht, dass wir ihn spüren können, indem er uns im Innersten anrührt. Und dass wir ihm – im Sinne Martin Luthers – antworten mit unseren Liedern und Gebeten.

 Gerade heute am Sonntag Kantate können wir nicht schweigen. Wir dürfen und müssen einfach mitjubeln, miteinstimmen – aus voller Kehle und mit bewegtem Herzen. In unseren Häusern dürfen wir ja. Amen.

Zwischenmusik „Sinfonia aus dem Oster-Oratorium“

M+T: Johann Sebastian Bach, BWV 249

Aufnahme: Collegium Vocale unter der Leitung von Philippe Herrweghe, Harmonia Mundi

Fürbitten

Dreieiniger Gott,
du hast uns zum Loben und Danken befreit. Wir bitten dich:

Für all die Menschen, denen heute nicht nach Singen zumute ist, weil sie krank sind und Schmerzen haben, oder weil sie arbeitslos geworden sind, oder weil Streit in der Familie ist. Berühre ihre Lippen, berühre ihr Herz.

Für alle, die sorgenvoll in die Zukunft blicken und nicht wissen wie es weitergehen soll. Schenke ihnen eine Perspektive- einen Lichtblick am Horizont.

Für alle, die das Evangelium verkünden durch Wort und Musik,
dass dein Geist sie beflügelt.

Für unsere Gemeinde,
dass unser Singen und Beten deiner Verherrlichung dient.

Für die Großen dieser Welt,
dass sie bei ihren Entscheidungen das Wohl aller Menschen im Auge haben.

Für uns alle,
dass wir auch in den schweren Zeiten unseres Lebens die Kraft bekommen, dich zu loben.

Für alle, deren Herz
voller Trauer ist und für unsere Verstorbenen, dass du sie einstimmen lässt in das himmlische Lob.

Großer Gott, wir loben dich. Du bist ein Gott des Lebens. Dir sei Ehre und Preis in Ewigkeit.

Vaterunser

Segen

Gott segne uns und behüte uns, er lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott wende dir sein Angesicht zu und schenke dir Frieden.
Amen

Lied „Du meine Seele singe“, EG 302,1-4,8