Eindrücke

Verbunden durch Gottes Geist feiern wir Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters + des Sohnes + des Hl. Geistes. Jubilate – jauchzet, jubelt, solch einen fröhlichen Namen hat der heutige Sonntag. So sind wir – trotz mancher Einschränkung – zum Jubeln und Loben eingeladen, schon mit dem ersten Lied:

Lied: EG 288, 1+2, 4+5

Kinder klatschen

Psalmgebet:

Gelobt seist du, Herr, Gott unserer Väter und Mütter, gepriesen seist du ewiglich! Lobet Gott, ihr Engel im Himmel, preiset und rühmet ihn ewiglich. Licht und Finsternis, Berge und Hügel, lobet unseren Gott, preiset und rühmet ihn ewiglich. Vögel und Fische, Bäume und Blumen, lobet euren Schöpfer, preiset und rühmet ihn ewiglich. Menschenkinder, groß und klein, alt und jung, gesund und krank, klatscht in die Hände, preiset und rühmet Gott ewiglich. Denn seine Güte hat kein Ende, sein Erbarmen ist jeden Morgen neu. Ihm sei die Ehre, jetzt und immerdar und in Ewigkeit. Amen

Kyrie: Herr, du Kraft unseres Lebens, wir jubeln, wenn es uns gut geht. Aber wenn unsere Tage schwer sind, steigen rasch die Fragen auf: Wo bleibt deine Hilfe? Warum muss das alles so sein? Hilf uns, dass wir in guten aber auch in schlechten Zeiten an Dir festhalten. Herr, erbarme dich unser!

Gnadenwort: Kommt her und seht an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern!

Loben wir gemeinsam Gott mit dem Chorus: Jubilate Deo EG 602

Evangelium und Predigttext: Joh. 15, 1 – 8

Liebe Gemeinde!

„Was bleibt?“ so fragte der damals schon schwerkranke Dichter Erich Fried in einem seiner letzten Gedichte. Was ist von seinem Leben geblieben? Immerhin eine Fülle von Texten und Gedichten,  von denen manche fast sprichwörtlich geworden sind, wie etwa: Es ist, was es ist, sagt die Liebe.

Was bleibt? Was ist geblieben von diesen Wochen der physischen Distanz? Das werden wir uns wohl alle fragen, wenn wir wieder einmal – hoffentlich ab September –  wie früher Gottesdienste feiern können und zur Schule gehen und besucht werden können in den Altenheimen und im Krankenhaus, und, und.. Hat es sich gelohnt, mit Maske und 1 Meter Entfernung durch das Leben zu gehen? Heute wissen wir es noch nicht, nur so viel: Unsere Spitäler wurden nicht über ihre Grenzen beansprucht und das ist doch schon sehr viel.. Aber bleibt mehr aus dieser außergewöhnlichen Zeit?

Füße blicken aus dem Fenster

 Verbindung halten

Sie merken schon, es geht ums „Bleiben“. 7x wird „Bleiben“ in der Bildrede aus Joh.15 verwendet. Ein Weingarten wird uns vor Augen gemalt, ein vertrautes Bild für die ersten Leser des Evangeliums. Für uns in OÖ sind ja Weingärten eher die Ausnahme, aber Donau-abwärts sieht man die Winzer schon wieder ihre gar nicht leichte Arbeit tun. „Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner“. Es ist das letzte der sog. Ich  bin-Worte Jesu im Joh.evangelium. Eine ganz alte Geschichte schimmert durch diese Formulierung: Mose vor dem brennenden Dornbusch. Er möchte Gottes Namen wissen und bekommt genau diese Antwort: Ich bin der ich bin und ich werde sein, der ich sein werde. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben: Auch wenn ich zu Hause keinen Weingarten sondern nur einen Weinstock habe, mich berührt das Bild dennoch: Weinstock und Rebe, behütet und gepflegt durch die liebevolle und verständige Hand des himmlischen Weingärtners. Das ist ein lebendiges Bild, eine natürliche Verbindung, nichts Zwanghaftes, sondern etwas ganz Selbstverständliches. Die einzige Voraussetzung: verbunden bleiben mit dem Weinstock und die Verbindung halten. Das Bild entlastet. Kann es auch uns entlasten, wenn die bange Frage aufsteigt: Was bleibt? Was ist denn geblieben von all unserem Einsatz und Engagement? Im berühmten Hohen Lied der Liebe aus dem 1. Kor.brief heißt es: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese 3, aber die Liebe ist die größte. Die Liebe wird bleiben, weil Gott Liebe ist. In Jesu Liebe bleiben, aus Gottes Liebe leben, das ist nichts Starres, das ist nichts, was man ein für allemal erledigen könnte. Es ist ein lebenslanger Prozess, Tag für Tag neu zu erfahren und an zu nehmen: Ich bin geliebt bei Gott. Er trägt mich und hält mich wie die Rebe am Weinstock. Er versorgt mich mit allem was ich brauche, auch in Zeiten, wie wir sie gerade durchleben. So ist das Bleiben in der Geborgenheit der Liebe Gottes letztendlich ein Geschenk.

Frucht bringen

Damit sind wir beim 2. Stichwort des Bibelabschnitts, beim „Frucht bringen“. Vielleicht hat es ja manche gleich abgeschreckt, wenn es hier so unvermittelt heißt: Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird weggeworfen und verdorrt. Dabei ist es aber klar zu unterscheiden zwischen Frucht und Erfolg. Erfolg ist machbar und zählt zu den wichtigsten Messlatten in der heutigen Wirtschaft. Selbst die täglichen Zahlenvergleiche über Neuansteckung bzw gesund gewordenen Menschen  gehören in dieses Schema. Frucht bringen ist dagegen keine Sache, die machbar und messbar wäre. Sie wird uns geschenkt oder eben auch nicht, wenn die richtige Zeit noch nicht gegeben ist. Frucht bringen heißt Verbindung halten mit der Wurzel, mit der Quelle, mit dem Weinstock, mit dem Urgrund der Liebe, mit Gott. Sonst werde ich innerlich leer und vertrockne – wir sprechen im Neudeutsch von Burnout. So verstanden können auch so „unfruchtbare Zeiten“ wie die vergangenen Wochen fruchtbar sein für unser Leben, ja womöglich wird daraus ein ganz besonderer Jahrgang, der dem Namen Jubilate  gerecht wird.

 

In der Liebe bleiben

Die Bildrede vom Weinstock und den Reben findet sich in den sog. Abschiedsreden Jesu nach dem Joh.evangelium. Noch einmal will Jesus seinen Freunden zeigen, was wichtig  und entscheidend ist für die Zeit danach, wenn der Meister nicht mehr bei ihnen sein wird. Abschiedssituationen sind uns allen vertraut, nicht bloß Abschied von Menschen sondern auch jene vom Erfolgsdenken, das sich so leicht einschleicht.  Wahre Frucht, die auch bleibt, braucht keine Erfolge. Aber es braucht das  Bleiben am Weinstock; es braucht das Bleiben in der Liebe.

Was bleibt, so haben wir uns eingangs mit Erich Fried gefragt. Die Bibel sagt es ganz deutlich: Die Liebe bleibt. Die Liebe überwindet alles, sie zählt nicht sondern beschenkt. Darum bleibt in Gottes Liebe wie die Rebe am Weinstock und ihr werdet jubeln. Amen

Musik oder EG 406, 1 Bei dir, Jesu, will ich bleiben

Fürbitten: Lebendiger Gott, wir danken dir für das Leben, das du uns geschenkt hast. Mit allen Sinnen können wir die Schönheit deiner Schöpfung erfahren. Lass uns in diesen Maitagen, wo große Feste noch nicht möglich sind, mit Innigkeit einander begegnen, dass wir uns freuen können über Kinderlachen und mit Humor den Geschichten der Alten lauschen. Dir vertrauen wir unsere Kranken und Sterbenden an. Lass sie bei dir geborgen sein. Wir danken dir für den Frieden in unserem Land seit 75 Jahren. Hilf uns, ihn zu bewahren als ein kostbares Gut. Gib deinen Segen allen, die Verantwortung tragen in Politik und Lehre, in Justiz und Kirche. Steh unserer Pfarramtskandidatin bei, wenn sie morgen ihre Pfarramtsprüfung zu bewältigen hat. So bitten wir dich: Lass uns verbunden sein und bleiben wie die Trauben am Weinstock, wenn wir  gemeinsam beten

Vaterunser

Segen: Gott segne  dich – er gebe dir Gedeihen und Wachstum, Gelingen deinen Hoffnungen und Frucht deiner Mühe

Gott behüte dich – vor allem Argen, er sei dir Schutz in Gefahr und Zuflucht in Angst

Gott lass leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig – wie die Sonne über der Erde das Erstarrte löst und wärmt

Gott wende dir sein Angesicht zu und gebe dir Frieden – das Wohl des Leibes und das Heil der Seele, Liebe und Glück. Amen

Lied: EG 432, 1 -3