Eindrücke

Eine gottesdienstliche Feier lebt davon, dass sich Menschen versammeln – gleich wie viele – um gemeinsam zu singen, zu beten und auf Gottes Wort zu hören. Seit etlichen Wochen ist dies bei uns nicht mehr möglich. Aber freilich kann es auch eine unsichtbare Verbindung geben im gemeinsamen Lesen und im fürbittenden Aneinander-Denken. Versteht bitte in dieser Weise den folgenden Gottesdienstvorschlag für den kommenden Sonntag.

Eingangslied: EG 116, 1 – 4: Er ist erstanden, Halleluja!

Auch diesen Gottesdienst beginnen wir im Namen Gottes, unseres Schöpfers,
im Namen Jesu Christi, des auferstandenen Herrn,
und im Namen der göttlichen Geisteskraft, die uns auf wunderbare Weise verbindet.

Psalm 116 (EG 746)

Der Herr tut dir Gutes
Sei nun wieder zufrieden, meine Seele;
denn der Herr tut dir Gutes.
Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,
mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.
Ich werde wandeln vor dem Herrn
im Lande der Lebendigen.
Wie soll ich dem Herrn vergelten
all seine Wohltat, die er an mir tut?
Ich will den Kelch des Heils erheben
und des Herrn Namen anrufen.
Dir will ich Dankopfer bringen
und des Herrn Namen anrufen.
Ich will meine Gelübde dem
Herrn erfüllen
vor all seinem Volk
in den Vorhöfen am Hause des Herrn,
in deiner Mitte, Jerusalem. Halleluja!

Kyrie

Ein Priester und ein Beduine umarmen sich, Jerusalem

Herr, wie lange noch?

Wie lange noch sollen wir in unseren Wohnungen und Häusern zurückgezogen leben
ohne echte Begegnung und bloß auf elektronische Kontakte angewiesen?
Wie lange noch sollen unsere Kinder ohne die Erfahrung von Freundschaften,
von Lob und Anerkennung in der Schule bleiben müssen?
Wie lange noch sollen wir unsere Kirchenräume nur einzeln besuchen dürfen?
Herr, wie lange noch?
Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich! (EG 178.10)

Gloria

Im Evangelium des heutigen Sonntags ermutigt Jesus seinen Jünger Thomas:
„Glückselig sind die nicht sehen und doch glauben“.
Diesem Gott, der uns nahe ist, auch wenn wir ihn nicht sehen und begreifen,
lasst uns lobsingen mit dem Chorus: Ich lobe meinen Gott (EG 272)

Tagesgebet

Lebendiger Gott, in diesen Tagen kommen wir zu dir
mit unseren Fragen, mit sorgenvollen Herzen und manchmal auch voller Zweifel an deiner Gegenwart.
Schenke uns Augen, die dich erkennen können in deiner Schöpfung;
Ohren, die deine gute Botschaft vernehmen
und ein Herz, das dir vertraut.
Das bitten wir im Namen Jesu, unseres Erlösers,
der mit dir in der Einheit des Hl. Geistes bei und mit uns ist
auch jetzt und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Johannesevangelium 20,19+20.24-29

Glaubensbekenntnis

Lied vor der Predigt: EG 511, 1 – 3: Weißt du wieviel Sternlein stehen

Predigt über Jesaja 40, 1 -3

Liebe Gemeinde, die wir jetzt lesend verbunden sind!

Vielleicht haben Sie sich über das Lied gewundert, dass ich eben vorgeschlagen habe. Ist das nicht ein Abendlied und vor allem ein Kinderlied? Ja, Sie haben schon recht: Ich habe es auch schon gesungen als ich noch ein Kind war und später mit unseren Kindern und heute mit den Enkeln. Aber das Lied ist eine schlichte Nachdichtung unserer heutigen Bibelstelle aus dem Buch des Propheten Jesaja, wie es Ihnen sicherlich auch schon aufgefallen ist, darum auch bewusst ausgesucht.

Wir kommen von Ostern her, von einem Osterfest, wie wir es in dieser Weise wohl noch nie erlebt haben. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich spüre: Die viele freie Zeit macht auch träge: Ich schlafe morgens länger als sonst und zu so mancher Arbeit, die eigentlich anstehen würde, fehlt die Lust und die Antriebskraft. Und andere arbeiten gerade jetzt fast im Dauereinsatz und es würde schon manchmal Mittelchen brauchen, die „Flügel verleihen“ oder eben „müde Männer munter machen“, wie die Werbetexter nahe an der Bibel formulieren. Da geht es uns nicht anders als den Juden, die ca 500 Jahre vor Christi Geburt nach Babylon verschleppt worden waren. An eine Rückkehr nach Jerusalem konnte und wollte keiner mehr denken. Die Alten waren gestorben, die nächste Generation hat sich in der „neuen Normalität“ eingelebt. Müde und matt, so beschreibt sie der Prophet. Ein solcher war auch Thomas, von dem wir heute schon gelesen haben, er zählte wohl zu den Erfahrenen im Jüngerkreis. Ich kann ihn gut verstehen, dass er Beweise braucht, um an das Wunder der Auferweckung Jesu glauben zu können und der Auferstandene gesteht Thomas dies auch zu. Der Prophet in Babylon verlangt von seinem Volk keine außergewöhnlichen Dinge, nur das, was jeder von uns kann, auch in der Isolation, auch im Zweifel am Ostergeschehen, egal ob jung oder alt, ob Morgenmensch oder Nachtarbeiter:

Hebet eure Augen in die Höhe und seht!

Sternschauer

Schau dich doch einmal um! Siehst du nicht die Schönheit des diesjährigen Frühlings, die blühenden Bäume, das frische Gras? Lässt dich solche Schönheit nicht nach dem fragen, der das alles geschaffen hat und wachsen lässt? Und genauso in der Nacht: Gerade jetzt ist der Sternenhimmel wunderbar zu sehen. Weißt du wie viel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt? Nein, die Sterne sind nicht zu zählen, nicht einmal die Wissenschaft vermag es. Das Weltall dehnt sich aus und wir wissen nicht, wie viel Sonnensysteme es geben mag. Schaut einfach einmal, das rät der Prophet dem müde gewordenen Volk. Schaut und staunt. Aber hat es nicht in der Thomasgeschichte geheißen: Selig sind, die nicht sehen?

Hast du nicht gehört?

Liebe Gemeinde! Manchmal sind wir zu müde, zu verzagt, um Gottes Wunder rund um uns her zu sehen und zu erkennen. Das Ostergeheimnis erschließt sich nicht unbedingt durch Sternenhimmel und Frühlingsgefühle. Es geht auch um unsere Aufmerksamkeit, um unsre Bereitschaft zum Hören. Das aber gelingt in der durch alle derzeit Pandemie bedingten Einschränkungen so gut wie selten. Jetzt können wir neu das Hören lernen, in die Stille hinein lauschen, auf das Gezwitscher der Vögel horchen, morgens und abends. Uns auf einen Bibeltext einlassen, auf eine der Ostergeschichten, genau hinhören.

Was macht müde Menschen munter?

Von Fitnessparolen im Glauben halte ich wenig, auch gegenüber Durchhalteparolen, wie wir sie derzeit eingetrichtert bekommen, bin ich skeptisch. Aber der „Blick in die Höhe“ richtet uns auf, das geht fast automatisch. Und manchmal braucht es einfach genügend Schlaf, damit sich die Sinne wieder erholen können und wir unsere inneren Flügel wieder ausbreiten können. Ganz am Ende unseres Bibelabschnitts heißt es in der Lutherübersetzung: Die auf den Herrn harren. Das Wort „harren“ kommt in unserer Alltagssprache kaum mehr vor. Es bedeutet ein Stück weit mehr als „warten“, es ist ein gespanntes Ausschau halten, ein Warten mit der gewissen Hoffnung, dass sich immer wieder ein Ostern ereignet auch in unserem Leben und dass Gott uns kennt und liebt, wie es im abendlichen Kinderlied heißt.

Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügel wie Adler. Adler schmeißen bekanntlich ihre Jungen aus dem Horst, damit sie selber das Fliegen lernen. Wenn die Jungen aber zu straucheln beginnen, dann fängt sie die Adlermutter mit ihren Flügeln auf und trägt sie wieder in den sicheren Horst. So handelt Gott mit uns, liebe Gemeinde. Schauen, horchen, harren, das ist das Geheimnis des Glaubens. Es ist keine Wunderdroge, die uns permanent lustig, munter und gesund halten würde, aber sie wirkt auf ganz natürliche, menschliche Weise. Probieren wir es doch einfach aus!

Amen

Lied EG 317, 2+3: Lobe den Herren

Fürbitten

Ewiger Gott, du bist es, der uns aufrichtet und neue Kraft schenkt,
wenn wir nicht mehr weiterwissen und nicht mehr weiter können.

Wir bitten dich um neue Kraft für alle,
die von der Krankheit gezeichnet sind
und auch für jene, die versuchen zu helfen in den Krankenhäusern und Heimen,
aber auch in den Labors und beim Roten Kreuz.

Hilf unserer Regierung die richtigen Entscheidungen zu treffen,
die Menschen auch wieder zusammenführen,
wenn die Zeit dafür gekommen ist.

Wir bitten um neue Kraft für jene,
die in dieser schwierigen Zeit versuchen, die Krise zu bewältigen
im Home-Office, in den Geschäften, in den leeren Hotels.
Wir denken an jene, die nicht mehr schlafen können,
 weil sie vor dem wirtschaftlichen Ruin stehen.
Hilf uns allen, dass wir Mittel und Wege zur Lösung unserer Probleme zu finden.

Lass uns auch jene nicht vergessen,
die in den Lagern in Griechenland und Türkei unter denkbar furchtbaren Zuständen
auf offene Türen in Europa warten.

Wir legen dir unsere Gemeinde und alle, die zu ihr gehören, ans Herz:
Gib uns österliche Augen und Ohren, die auf deine Botschaft hören
und verbinde uns, wenn wir beten, wie Jesus uns zu beten gelehrt hat:

Vaterunser

Segen

Gott segne und behüte dich,
er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott wende dir sein Angesicht zu und schenke dir Frieden.
Amen

Schlusslied: EG 116,5: Er ist erstanden