Eindrücke

Andacht für Sonntag, 29.03.2020 – Judika

(Bibeltexte aus: Luther-Bibel 2017, abzurufen unter www.die-bibel.de)

Beginn: Kerze anzünden

Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
– Wir sind versammelt.
An unterschiedlichen Orten, unterschiedlichen Zeiten.
Aber im Beisein des Einen.
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Lasst uns beten:

Gott.
Wir sind da. Und Du auch.
Wir sind verbunden.
Mit Dir.
Mit anderen, die beten.
Wir sind hier mit allem, was uns gerade bewegt.
Lass uns zur Ruhe kommen.

Stille

Höre unser Gebet.
Amen.

Psalm 43

Schaffe mir Recht, Gott

Schaffe mir Recht, Gott, / und führe meine Sache wider das treulose Volk
und errette mich von den falschen und bösen Leuten!
Denn du bist der Gott meiner Stärke:
Warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?
Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten
und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,
dass ich hineingehe zum Altar Gottes, / zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,
und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.
Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Amen.

Kanon: Sende dein Licht und deine Wahrheit

Samuel Scheidt (spätestens 1620): SSWV 25: Cantiones sacrae - N. 25 Secunda pars: Sende dein Licht und deine Wahrheit; aufgeführt von: Vox Luminis; Lionel Meunier: Scheidt, Sacrae Cantiones ℗ 2013 Ricercar ℗ Outhere

Aus dem Brief an die Hebräer 13,9b-14

Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade, nicht durch Speisegebote, von denen keinen Nutzen haben, die danach leben.
Wir haben einen Altar, von dem zu essen denen nicht erlaubt ist, die am Zelt dienen. Denn die Leiber der Tiere, deren Blut durch den Hohenpriester als Sündopfer in das Heilige getragen wird, werden außerhalb des Lagers verbrannt.
Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.
Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. (Hebr 13,14)

Gedanken zum Text

Mein Herz hat es mit der Rechtfertigung aus Gnade noch immer nicht verstanden.

Es spielt „Wenn-dann“.

  • Hätten wir doch nicht das Reisen so billig gemacht.
    Dann wär‘ dieser blöde Virus nicht so schnell um die Welt gereist.
  • Hätten wir uns mehr vorbereitet auf eine Pandemie und weniger Witze über die Chinesen gemacht,
    dann wäre es jetzt nicht so krass anders geworden.
  • Wenn ich jetzt brav zuhause bleibe,
    dann wird alles bald wieder, wie ich es gewohnt bin.
  • Wenn ich brav bin,
    dann bleibt mir Leid erspart. Okay, Gott?

 

Aber ob es gerecht ist,
dass einem Wenn immer ein Dann folgt.
Das fragt keiner.

Früher dachten sie:
Wenn wir ein Tieropfer bringen,
dann vergibt uns Gott unsere Schuld.

Aber dann folgte dem Wenn kein Dann.

Es gab da so einen, der hob alle Regelungen auf.
Er ging durch den absoluten Nullpunkt der menschlichen Existenz
und tat Dinge, die unberechenbar waren.
Er litt.
Er wurde nicht hineingelassen in die Mitte der Stadt.
Dabei war er zentral.

Jesus, der Christus.

Dem Wenn folgte kein Dann, nicht bei Christus.
Abgerissen war sein Leben.
Angerissen nur das, was er tat,
was den Menschen Hoffnung brachte
und Heilung für Wunden der Ausgrenzung und der Angst.
Überrissen werden wir es nie ganz haben,
was mit Jesus zu Ostern geschah.
Es sprengt alles, was wir bisher kennen.

Durch seine Unberechenbarkeit wurde er zur Mitte sogar der Zeit, Jesus.
Vor Christus war es ganz anders als es nach Christus je wieder sein kann.

Er führte uns vor Augen, was Gnade ist.
Nicht etwas Glattes, Spiegelndes, mit Wohlgeruch, womit man angeben möchte,
sondern etwas Unansehnliches, das riecht nach Schweiß und Blut und Tränen.
Gnade ist errungen.
Sie wurde nicht billig in China hergestellt.

Gnade geht nach vorne, in die Zukunft.
Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Gnade geht nicht in die Vergangenheit.
Daran ist Gnade nicht interessiert.
Sie stellt keinen idealen Urzustand wieder her.

Dass ich alles erklären kann.
Das ist nicht Gerechtigkeit.
Das ist nicht Gnade.

Gnade ist radikal neu.
Undenkbar.
Geschenkt.

Alice im Wunderland sagt:
„Ich wusste heute in der Früh, wer ich war, aber ich habe mich seither ein paar Mal verändert.“

Jetzt versteht es mein Kopf ein bisschen besser, mit der Rechtfertigung aus Gnade.

„Ich wusste heute in der Früh, wer ich war, aber ich habe mich seither ein paar Mal verändert.“

Gebet

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

Fürbitten

Gott, wie unzählige andere Menschen wenden wir uns an dich. Wir bringen Dir, was uns bewegt. Das Schöne und das Schwere.

Stille

Wir denken an alle, die wir lieben. Was tun sie gerade?

Stille

Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.

Stille

Wir denken an alle Kranken.

Gerade an die in den Krankenhäusern, die im Moment keinen Besuch haben können.

Stille

Wir denken an alle, die helfen.

Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander.

Stille

Gott, wir alle sind deine Menschen. Wir sind miteinander verbunden, atmen die Luft deiner Schöpfung.

Wir beten zu Dir das gemeinsame Gebet der Christenheit:

Vater Unser

Vater Unser im Himmel,
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe
Wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
Und vergib uns unsere Schuld,
Wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
In Ewigkeit.
Amen.

Segen

Alle öffnen die Hände. Alle oder eine einzelne Person sagt:

Gott, segne uns und behüte uns.
Lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Erhebe dein Angesicht auf uns und schenke uns deinen Frieden.

Lied: O Mensch, bewein dein Sünden groß

Musik: J.S. Bach (Matthäuspassion)/Matthias Greiter 1525; Text: Sebald Heyden 1530
Wiltener Sängerknaben am 29.2.2020

Kerze ausblasen

Noch eine Weile ruhig bleiben und nachklingen lassen.