Eindrücke

Da aufgrund der Coronavirus-Pandemie derzeit keine Gottesdienste in den Kirchen stattfinden, hat uns Lektor Erich Hamader seine Texte zur Verfügung gestellt, die hier in Auszügen veröffentlicht sind.

Sie können die Lieder selbst mitsingen mit dem Gesangbuch, wenn Sie eines zuhause haben, und die Bibeltexte sind in der Lutherbibel leicht zu finden.
Die Lieder sind auch zu YouTube-Videos verlinkt, wo diese aufgeführt werden, Vater Unser und Glaubensbekenntnis sind zur Sicherheit auch verlinkt, ebenso Bibeltexte zur Luther-Bibel 2017 auf www.die-bibel.de.

Lied: Wenn das Brot, das wir teilen (Ergänzungsheft 28)

Text: Claus-Peter März, Melodie: Kurt Grahl (1981)
Detlef Korsen in der Martin-Luther-Kirche in Seckenhausen (Stuhr)

Psalm 84

Gebete

Gott,
so vieles macht uns Angst und bedrückt uns jetzt,
die Sorge um die gesundheitlichen Bedrohungen und die Wirtschafts-Situation,
persönliches Leid und persönliche Probleme;
Schuld, Versäumnisse, Versagen. –

Gott,
lass uns Freude finden im Leben
und zuversichtlich schauen auf das, was kommt.
Denn Du bist wie eine Mutter, die Trost spendet,

An der Brust trinkendes Baby
An der Brust trinkendes Baby - Foto: Jan Kopřiva via unsplash.com (cc)


die ihr Kind stillt und es trägt, dass es wieder fröhlich wird.
Erbarme dich.

Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen,
aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen,
spricht Gott, dein Erbarmer. (Jesaja 54,10)

Gott,
du Quelle der Freude,
du gibst dem Leben Zukunft und führst uns auf unserem Weg.

Dafür danken wir dir und bitten dich:
Öffne uns Auge und Ohr für deine Verheißungen durch Christus, unseren Herrn.

Amen.

 

Evangelium nach Johannes 12,20-24

Mit Simon Petrus sprechen wir: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. - Amen.

 

Apostolisches Glaubensbekenntnis

 

Lied: Korn, das in die Erde (Gesangbuch Nr. 98)

Text: Jürgen Henkys (1976) nach dem Englischen "Now the Green Blade Rises" von John MacLeod Campbell Crum 1928, Melodie: "Noel nouvelet, Frankreich 15. Jh. 
Evangelische Kirche Neulußheim; Gerhard Müller, Orgel 2017


Blick auf Jerusalem - Foto: Elizabeth Morgan-Bukovics

 

 

Predigt zu Jesaja 66,10-14

Liebe Glaubensgeschwister, wir feiern Lätare – „das kleine Ostern“ mitten in der Passionszeit.

Früher gab es da als Sinnbild für Gottes Liebe und Nähe ein rosa Parament anstelle des Passions-Violett (ich hätte heute meine rosa Trachtenkrawatte umgebunden).

Erinnern Sie sich an den Sonntag vor der Passionszeit, Estomihi, vor vier Wochen? „Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem“, stand da im Zentrum, „es soll alles erfüllt werden, was prophezeit wurde“. Jesus erwartete Leiden und Tod. Seine Jünger begriffen gar nichts – sie dachten an eine Prophezeiung wie diese aus Jesaja 66:

Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. Ihr werdet's sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des HERRN an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.

Diese Worte wurden hineingesprochen in eine Zeit totaler Enttäuschung. Die Rückkehrer aus babylonischer Gefangenschaft hatten übergroße Erwartungen (wie die Jünger Jesu) und erlebten eine entsetzliche Ernüchterung: Keine blühende Stadt, sondern Verfall, Zerstörung, Streit; und da wohnten schon lange andere – was erhalten war, hatten diese erhalten!

Es gibt Parallelen zur Gegenwart: Wem gehört Jerusalem? Selbstverständlich den Juden allein? Für mich nicht, und der sogenannte „Friedensplan“ von Trump und Netanjahu ist eigentlich ein Unfriedensplan, der nur Unrecht, Hass, Streit, Terror verlängert. Jerusalem ist eine „heilige Stadt“ – aber sie ist es für die Juden, Muslime und Christen. Und nur miteinander wäre sie eine Stadt des Heils.

Hass – Gewalt – Krieg – Leiden, Leid: Ursachen und Folgen, eine endlose Spirale.

Es gäbe eine Lösung, aber dazu sind die Menschen anscheinend nicht fähig, ja nicht einmal bereit: echter Friede. Und zuerst ehrliche und faire Friedensbemühungen. Weltweit! Nur so könnte die Flüchtlingsproblematik gelöst werden. So viele können wir gar nicht aufnehmen, dass nicht immer noch mehr zu uns, in unser vermeintliches Paradies wollen. Ja, wir leben wirklich vergleichsweise in paradiesischen Verhältnissen. Auch dank einer noch nie da gewesenen Friedenszeit. Und die ist gefährdet, durch den immer stärker werdenden Rechtsruck, Rechtsradikalismus. Bei einer neuen Flüchtlingswelle würde er dramatisch zunehmen. Leider können wir nicht einfach sagen: Lasst uns die Grenzen öffnen. Auch wenn ich als Christ die Augen nicht vor der Not und dem Elend der Flüchtlinge verschließen darf. Aber es müssen echte Lösungen gefunden werden – und es dürfen nicht neue Krisenherde geschaffen werden. Echte Friedensbemühungen wären dringend notwendig. Doch – wohin man schaut, nur verhärtete Fronten. Und die Waffenindustrie verdient Milliarden!

„Freuet euch mit Jerusalem“ – klingt das nicht wie Hohn in unseren Ohren?

Derzeit haben wir aber ganz andere Probleme. Lätare! – Freuen, jetzt in Coronavirus-Zeiten?

Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen … (Jes. 38, 17) Was heißt Trost? Trost – das heißt Wegkommen von Trauer, Abschiedsschmerz. Das heißt auch neuer Lebensmut. Das heißt Hoffnung, Zuversicht, Vertrauen – Lebenskraft. Was heißt trösten? Das alles wecken, schenken, wachsen lassen. Wir erkennen: Das können wir Menschen gar nicht, wir können bestenfalls dabei helfen. Wenn Gott tröstet.

Was tröstet? Ich beobachte oft staunend die Kinder. Wie schnell lässt sich bei ihnen ein Schmerz wegblasen, mit einem Pflaster wegkleben oder mit einem »Heile, heile Segen« wegsingen!

Besonders fasziniert mich die Wirkung des Stillens. Haben Sie als Mann diesen intimen Vorgang schon einmal miterlebt oder haben Sie als Mutter selbst gestillt? Dann kennen Sie dieses wunderschöne Erlebnis: Ein Säugling schreit zum Herzerbarmen, strampelt wild mit Ärmchen und Beinchen. Das kleine Köpfchen sucht verzweifelt die Mutter. Und dann nimmt diese den Säugling auf den Arm, hebt den Pullover und gibt ihrem Kind die Brust. Und schon geht das Geschrei in ein gieriges Schlucken über. Mit jedem Schluck wird der Säugling ruhiger und ruhiger und beginnt gleichmäßig zu trinken. Das Gesicht des Kleinen entspannt sich. Die kleinen Hände, die vorerst zu Fäustchen geballt waren, öffnen sich langsam. Schließlich kommt irgendwann der Moment, wo der Säugling die Brustwarze aus seinem Mund gleiten lässt und mit einem seligen Lächeln das Köpfchen zur Seite dreht. Heraufstoßen – und die Welt ist wieder in Ordnung, ja, das Himmelreich schon auf Erden. »Was braucht es mehr?«, scheint das glückliche Baby einen zu fragen.

Was tröstet? Wie schon gesagt: Als das Volk um 520 vor Christus aus dem babylonischen Exil nach Juda zurückkehrte, war die Enttäuschung groß. Anstelle der prophezeiten Heilszeit erwartete die Menschen ein sehr karges und hartes Leben. So mancher Rechtsstreit begleitete die Inbesitznahme der alten Heimat. Kriegerische Unruhen und ein zerstörtes Heiligtum boten alles andere als eine gute Voraussetzung für das religiöse Leben. Frustriert werden sich einige Rückkehrer an die Zeit in Babylonien erinnert haben, wo unter politischer Stabilität mancher sogar zu Wohlstand gekommen war. Hatten sie zunächst erwartet, Frondienste in Babylon unter Nebukadnezar leisten zu müssen, war es sogar möglich gewesen, sich selbst Sklaven zu halten. Und nun hatten sie alles das zurückgelassen, ihre Häuser mit Gärten, um diese herbe Enttäuschung zu erleben? Wo war der allmächtige und für sie kämpfende Gott? Wo war der Glanz von Jerusalem, zu dem alle Völker aufschauen sollten? Waren die Prophezeiungen nur leere Versprechungen gewesen? Und ich stelle mir vor, wie die in Babylon geborene Generation zunächst vorwurfsvoll und dann verachtend auf die eigenen Eltern geschaut hat, die so naiv den Worten des Prophe­ten Jesajas gefolgt waren. Und ich sehe vor meinen Augen die müden Eltern und Großeltern, wie sie Gott ihr Leid klagen und zu ihm rufen: So schau nun vom Himmel und sieh herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo ist nun dein Eifer und deine Macht? Deine große, herzliche Barmherzigkeit hält sich hart gegen mich (Jes 63,15).

Was tröstet? Wenn Gottes Wort Gestalt annimmt, sichtbar, greifbar, dann ist Trost möglich. Das glauben die Israeliten. Und deshalb gibt es für sie nichts Schlimmeres, als dass Gott schweigt und sie scheinbar mit ihrem Schicksal allein lässt. Für sie ist Gott mit Jerusalem, mit dem Tempel fest verbunden. Und hier in Jerusalem ist so gar nichts zu sehen von Gottes Macht und Herrlichkeit.

Wir spüren bei diesen Klagen, dass wir sie auch kennen: die Enttäuschung, wenn Gott uns im Stich lässt und alles so trostlos erscheint. Wie sehr haben wir uns das eine oder andere Mal die Nähe Gottes gewünscht, der unserem gebeutelten Leben eine Wende gibt! Wie oft haben wir schon in der Not zu ihm gebetet und ihn angefleht, uns zu helfen! Vielleicht gerade jetzt in Coronavirus-Zeiten.

Jerusalem können wir auch als Sinnbild hernehmen für Enttäuschung, Trostlosigkeit – das genaue Gegenteil von unserem Predigttext. Einst wie heute. Zion – der Ort, die Stadt, wo Gott wohnt???

„Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße; was wollt ihr mir denn für ein Haus bauen?“ Das lesen wir beim Propheten – erraten – Jesaja (Jes.66, 1,2). Gott wohnt nicht im Tempel, nicht in einem Haus, nicht in einer Stadt. Trotzdem wurde ein immer noch prächtigerer Tempel gebaut; und wir Christen haben auch heilige Städte, heilige Stätten, auch uns Evangelischen sind unsere Kirchen wichtig. Das passt so, vor allem für unsere Gemeinschaft. Aber wir dürfen nicht glauben, Gott einsperren zu können.

Lesen wir unseren Text einmal anders: Jerusalem steht für „Gott“. Nicht der Ort, nicht das Haus, wo Gott wohnt, sondern die Gottheit selbst.

Freut euch mit mir und seid fröhlich mit mir, …, alle, die ihr mich lieb habt! … Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten meines Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an meiner vollen Mutterbrust. … Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an mir getröstet werden.

Zum ersten Mal in der Bibel werden ausdrücklich weibliche Züge mit Gott in Verbindung gebracht. Gott lässt es nicht kalt, wenn seine Kinder traurig sind. Deutlich sagt er von sich selbst: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jes 66,13a)

Was tröstet? Hoffnung tröstet, Bilder oder Zeichen, an denen sich unsere Seele festhalten kann. Und Glaube tröstet, der der Verheißung trauen kann. Aber wenn Jerusalem kein Zeichen ist, woran wir unsere Hoffnung, unseren Trost festmachen können – woran klammern wir uns, woran erkennen wir, dass Gott es ernst meint mit seinen Zusagen, auch bei uns, auch bei dir und mir?

Denken wir einmal zurück an gute Momente in unserem Leben (und ich kann mir nicht vorstellen, dass da irgendjemand ist, die/der noch keine erlebt hat). Und ich denke an den Apostel Paulus, der ja wirklich viel Schlimmes erlebt hat. Paulus fühlt sich reichlich getröstet durch Christus (2 Kor 1,5b). Denn der Apostel spürt am eigenen Leibe, dass Nachfolge Jesu zwar Leiden bedeutet, aber dass dieser Weg mit Jesus nicht im Leid endet. Jesus ist der Christus. Zu dem Weg mit diesem Christus gehört die Auferstehung, gehört die Verwandlung mit der Verheißung: Siehe, ich mache alles neu! (Off 21,5b)

Immer wieder hat Paulus Gott, den barmherzigen Vater, gespürt, der ihm neue Türen geöffnet hat, und Gott, die tröstende Mutter, die ihm neue Kraft und Zuversicht geschenkt hat. Und Paulus erkennt, dass diese Trosterfahrungen ihm die Möglichkeit geben, Trost weiterzugeben. Vor allen Dingen spürt er, dass die Kraft des Trostes nicht aus ihm selbst erwächst, sondern von Gott kommt, der die Toten auferweckt (2 Kor 1,9).

Ein letztes Mal: Was tröstet? Der Sonntag Lätare möchte uns ein kleines Osterlächeln auf die Lippen zaubern. Er richtet unseren Blick nach vorne und lädt uns ein, das Ende des Passionsweges zu betrachten. Trost finden wir natürlich nicht im Leid, nicht im Tod, nicht in der Dunkelheit unseres Daseins. Trost finden wir aber in der Verheißung: Auferstanden von den Toten. Trost finden wir im Licht, das uns von Ostern entgegen scheint. Freude ist möglich, wo wir Gott vertrauen und uns in seine Arme begeben, weil er uns wie eine Mutter nährt.

Amen.

Von Erich Hamader mit Gedanken von Kerstin Tiemann aus Friedeburg/Deutschland.

Lied: In dir ist Freude (Gesangbuch 398)

Text: Cyriakus Schneegass 1598, Musik und Satz: Giovanni Giacomo Gastoldi 1591; Geistlich Erfurt 1598
Evang. Christianskirche, Hamburg-Ottensen

Gebet

Lasst uns in Frieden den Herrn anrufen: Erbarme dich, Gott!

Für die Menschen, die Hunger haben –
Hunger nach Brot, Hunger nach Liebe, nach Freiheit und Gerechtigkeit,
für alle Menschen in Not und Bedrängnis bitten wir:

Kyrie, Kyrie eleison!

Für alle, die in Angst und Sorge sind, die um das Leben geliebter Menschen bangen,
die um Verstorbene trauern, und für uns, wenn der Tod auf uns zukommt, bitten wir:

Kyrie, Kyrie eleison!

Für die starken Menschen, die ihr Schicksal meistern,
für alle, die Glück und Erfolg haben, dass sie nicht Schaden nehmen an ihrer Seele, bitten wir:

Kyrie, Kyrie eleison!

Für die gebeugten Menschen, die ihr Leben erleiden, die ohne sinnvolle Arbeit leben müssen,
deren Sehnsucht unerfüllt bleibt und deren Hoffnung begraben liegt, bitten wir:

Kyrie, Kyrie eleison!

Für die Jungen am Anfang ihres Lebens und für die Alten, die Gott entgegenreifen,
für alle Tage des Lebens, die er schenkt, dass sie geheiligt seien durch seine Gegenwart, bitten wir:

Kyrie, Kyrie eleison!

Herr, du gibst dich für uns. Du bist das Brot des Lebens.
Dir sei Ehre in Ewigkeit.
 

Stilles Gebet

Vater Unser

Amen.

 

Segen

Es segne und behüte dich die allmächtige, gütige und erbarmende Gottheit,
die dich trösten will, wie einen seine Mutter tröstet –
Gott, Vater und Mutter – Gott, der Sohn – und Gott, der Heilige Geist! +

 

Lied: Jesu, meine Freude (Gesangbuch 396,1 und 6)

Text: Johann Franck 1653;  Musik: Johann Crüger 1653
Cappella Vocale Berlin, Leitung: Carsten Albrecht; Stadtmuseum Berlin Nikolaikirche 2014.

Laetare - Jesaja 10Miniatur des Liber choralis parvus continens missas vesperas et alia officia par S. Leonardi confes -
Foto:
, fulvio314 via wikimedia commons (public domain 2015)