Eindrücke

Ich empfinde es als einen großen Segen, nach einer dreiwöchigen Gottesdienstdurststrecke heute bei euch/Ihnen sein zu dürfen.
"Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig." Der Wochenspruch steht im Buch Jesaja und ist eine Aufforderung den Weg für Gott vorzubereiten.
In der Vorweihnachtszeit zünden wir gerne Kerzen an.
Wir schaffen neue wärmende Lichtquellen.
Licht bedeutet Leben, Orientierung und Wärme.
Einen beleuchteten Weg geht man doch gleich viel einfacher und leichter.
Gehen wir doch gemeinsam den beleuchteten Weg, den Gott uns entgegenkommt, und feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes feiern.“


Foto: (c) Ethan Sykes via Unsplash

Psalm 139

HERR, du erforschest mich
und kennest mich.
            Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;
            du verstehst meine Gedanken von ferne.
Ich gehe oder liege, so bist du um mich
und siehst alle meine Wege.
            Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,
            das du, HERR, nicht alles wüsstest.

Von allen Seiten umgibst du mich
und hältst deine Hand über mir.
            Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch,
            ich kann sie nicht begreifen.
Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,
und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
            Führe ich gen Himmel, so bist du da;
            bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,
            so würde auch dort deine Hand mich führen
            und deine Rechte mich halten.
Spräche ich: Finsternis möge mich decken
und Nacht statt Licht um mich sein –,
            so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,
            und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.
Denn du hast meine Nieren bereitet
und hast mich gebildet im Mutterleibe.
            Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin;
            wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. 
Es war dir mein Gebein nicht verborgen,
da ich im Verborgenen gemacht wurde,
da ich gebildet wurde unten in der Erde.
            Deine Augen sahen mich,
            da ich noch nicht bereitet war,
und alle Tage waren in dein Buch geschrieben,
die noch werden sollten und von denen keiner da war.
            Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! ‚
            Wie ist ihre Summe so groß!
Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand:
Am Ende bin ich noch immer bei dir.
             Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;
            prüfe mich und erkenne, wie ich's meine.
Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,
und leite mich auf ewigem Wege.

Ich: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist.

Gebet:

Guter Gott! Am Adventkranz brennen schon 3 Kerzen. Sie leuchten hell. Sie wollen uns sagen: Jesus ist das Licht! Jesus will die Welt heller machen. Auch wir wollen Licht sein, möchten die Welt heller machen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen. (gesprochen)

Lesung: Jesaja 40, 1-11
Glaubensbekenntnis
Lied 11 „Wie soll ich dich empfangen“

Predigt + Predigttext

Liebe Gemeinde,

der Predigttext für diesen dritten Advent ist der Lobgesang des Zacharias, das sogenannte Benediktus. Der Form nach ist es ein Gebet nach dem Vorbild der alttestamentlichen Psalmen. Der Sprecher des Gebets heißt Zacharias, er ist der Vater Johannes des Täufers. Zacharias war Priester am Jerusalemer Tempel. In dem Jahr, in dem die Geschichte spielt, bestimmte ihn das Los dazu, das Räucheropfer im Tempel darzubringen. Umhüllt vom Rauch des Feuers, erscheint ihm der Engel Gabriel und kündigt ihm die Geburt eines Sohnes an. Zacharias kann nicht glauben, was er hört.

Seine Frau und er sind schon längst über die Zeit des Kinderkriegens hinaus. Seit langem haben sie sich damit abgefunden, dass sie keine Eltern mehr werden. „Was war denn das für ein Kraut, das ich da geräuchert habe? Da ist mir wohl der Weihrauch ein wenig zu Kopf gestiegen“, könnte Zacharias gedacht haben. Jedenfalls zweifelt Zacharias an den Worten des Engels.

Das haben Engel nicht gerne und damit Zacharias von seinen Zweifeln kuriert wird, schickt der Engel ihm ein Zeichen: Zacharias verliert seine Stimme und wird stumm. Er bewegt den Mund und will was sagen –und herauskommt: nichts.

Als Zacharias nach dem Räucherdienst aus dem Tempel tritt und das Volk auf sein Orakel wartet, da winkt er nur ab und schickt die Leute nach Hause. Zacharias hat es die Sprache verschlagen.

Tatsächlich wird kurz darauf Zacharias Frau Elisabeth schwanger.

Der Überlieferung nach ist Elisabeth eine Kusine von Maria, der Mutter Jesu. Maria wird kurz nach Elisabeth ebenfalls schwanger. Es kommt zur legendären und viel besungenen Begegnung der beiden Frauen, die sich gegenseitig über ihre Schwangerschaften freuen. Bei der Gelegenheit singt Maria ihren großen Lobgesang, das Magnificat, das Bach so herrlich vertont hat. Als schließlich Elisabeths Kind geboren wird, findet der Vater Zacharias seine Sprache wieder und erwidert auf Marias Lobgesang mit dem seinen, dem Benediktus.

Predigttext: Lukas 1,67-79

Ihr Lieben,

Zacharias ist ein Mann voller Sehnsucht. Wahrscheinlich hat er das selbst nicht mehr gewusst. Zu oft war sein Hoffen enttäuscht worden. Wer allzu viele Schläge wegstecken musste, wer allzu viel Leid erleben oder mit ansehen musste, der unterdrückt die Hoffnung und vergisst das Sehnen. Sehnsucht tut weh und irgendwann flieht man vor dem Schmerz, weil man das Leben sonst nicht aushält. Zacharias hat seine Sehnsucht vergessen und verdrängt. Routiniert versieht er seinen Tempeldienst. Zweimal im Jahr ist seine Priestergruppe in Jerusalem für eine Woche im Einsatz. Danach geht es wieder aufs Dorf zurück. So war es schon viele Jahre gegangen.


Lange Zeit hatten Zacharias und Elisabeth noch gehofft, Eltern zu werden. Nachwuchs – das ist für die Menschen jener Zeit die größte Hoffnung und das wichtigste Lebensziel. Wer Kinder hat, gilt als von Gott gesegnet. Kinderlosigkeit gilt als Fluch. Heute gibt es viele Formen ein erfülltes Leben zu führen, mit und ohne Kinder.

Damals aber war das anders. Zacharias und Elisabeth werden schwer an ihrem Schicksal getragen haben. Zacharias Glaube ist durch zu viel vergebliches Hoffen und Sehnen müde geworden. Seinen Tempeldienst versieht er ohne Erwartung.

Mitten in Müdigkeit und Routine wird Zacharias vom Engel überrascht. Gerne würde er glauben, was er als Botschaft hört. Aber wer glaubt, macht sich verletzlich, wer hofft, kann enttäuscht werden. Zacharias hält es lieber mit der gesunden Skepsis und zweifelt.

Es gibt viele Zachariasse unter uns, männliche und weibliche: Menschen, die gelernt haben kühl zu kalkulieren und auf das Machbare zu setzen; Menschen, die sich eingerichtet haben in ihrer Erwartungslosigkeit; Menschen, die ihren Glauben und ihre Hoffnung nicht mehr spüren, weil sie Angst haben enttäuscht zu werden.
Zacharias, männlich oder weiblich, sitzt vielleicht neben mir und ich ahne nichts von seinen oder ihren Verletzungen.
Zacharias, das bin vielleicht auch ich selbst mit meiner Souveränität und Coolness, mit der ich mein Leben zu meistern versuche.
Die Zachariasse unter uns sind wichtig für unsere Gesellschaft. Sie halten den Betrieb am Laufen, weil sie sich nicht so leicht erschüttern lassen.
Zachariasse, männliche und weibliche, haben gelernt in Krisen zu funktionieren und durchzuhalten. Jahraus, jahrein versehen sie ihren Dienst, regelmäßig und verlässlich, im Tempel, in der Verwaltung, in der Werkstatt, auf dem Bau, als Klassensprecher, als LKW-Fahrer. Das ist für viele andere eine große Hilfe. Zacharias Stabilität verleiht auch anderen Halt. Zacharias ist der Fels in der Brandung. Gut, dass es unter uns Zachariasse gibt. Sie sind die Stützender Gesellschaft.
Zacharias zweifelt. Er ist kein Schwärmer, der sich vom erstbesten Engel zu einer fahrlässigen Hoffnung verlocken ließe. Zacharias will schon irgendwie hoffen, aber er traut sich nicht so recht. Der Engel aber ist hartnäckig. Gott hat einen Plan für Zacharias und den setzt er auch gegen Zacharias Zweifel durch. Als Zeichen göttlicher Macht verschließt der Engel Zacharias den Mund. Zacharias, der als Priester prophetische Worte ans Volk richten soll, wird stumm.
Seine gelähmte Zunge wird zum Zeichen für seine gelähmte Seele, die das Sehnen und Hoffen verlernt hat. Trotz solcher Lähmungen – lendenlahm ist Zacharias nicht geworden. Elisabeth wird schwanger. Doch auch sie traut dem Segen nicht. Fünf Monate versteckt sie sich im Haus, wird berichtet. Erst dann traut sie dem Segen und zeigt sich der Öffentlichkeit. Auch Elisabeth tut sich schwer mit der Hoffnung. Wer könnte es ihr verdenken nach so langem vergeblichem Warten. Doch dann wird das Wunder tatsächlich wahr. Elisabeth und Zacharias werden Eltern. Am achten Tag präsentieren sie den Nachwuchs anlässlich des Beschneidungsfestes der Öffentlichkeit und nennen seinen Namen: Johannes, Gott ist gnädig, soll das Kind heißen. Die Festgesellschaft stutzt. Üblich wäre, dass der Sohn wie der Vater heißt, also Zacharias. So sind die Regeln des Patriarchats. Fragend wendet sich die Festgesellschaft an den stummen Vater. Doch der bestätigt die Namenswahl: Johannes, Gott ist gnädig, schreibt er auf eine Tafel. Und in dem Augenblick fällt von Zacharias die Lähmung ab. Gott ist gnädig, Zacharias‘ Zunge löst sich und er singt sein Lied, den großen Lobgesang, das Benediktus: „Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils“.

Die Geburt seines Kindes ist für Zacharias ein Glaubensereignis. Er hat nicht weniger als einen Besuch Gottes erlebt, er wurde erlöst von seiner Hoffnungslosigkeit und seinem Kleinglauben. Die alte, fast erloschene Sehnsucht in ihm ist fast gegen seinen Willen neu entflammt. Und jetzt hat sie ihn entzündet. Denn Zacharias ahnt, dass die Geburt des Johannes nicht nur Elisabeth und ihn betrifft. Der göttliche Besuch gilt nicht nur seinen privaten Verhältnissen.

Der Gottesbesuch richtet sich ans ganze Volk Israel, an alle, die unter den herrschenden Verhältnissen leiden, an alle, die manchmal mutlos sind und deren Sehnsucht nur noch matt glimmt. Die Geburt des Johannes wird für Zacharias zum Zeichen der Treue Gottes. Der Schmerz hat ein Ende, es kommt die Erlösung, es kommt das Licht und erhellt die Welt.

Johannes, so sieht es das Lukasevangelium, wird zum Wegbereiter Jesu. Auf den Gottesbesuch bei Zacharias folgt der Gottesbesuch im Stall von Bethlehem. Zacharias singt: „Du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk“. Der historische Johannes dürfte sich selbst nicht als Wegbereiter eines anderen verstanden haben. Seine Jünger haben Johannes jedenfalls noch viele Jahrzehnte nach dessen Ermordung durch König Herodes verehrt. Sie sahen ihn als eigenständigen Gottesgesandten an –und er selbst sich wohl auch. Und doch gibt es eine enge Verbindung zwischen Jesus und Johannes. Denn – und das ist ein historischer Fakt – Jesus lässt sich durch Johannes taufen. Vielleicht hat Jesus sogar für eine gewisse Zeit zu Johannes‘ Anhängerkreis gezählt. Die Taufe in der von uns heute geübten Weise hat ihren Ursprung bei Johannes dem Täufer, jenem Kind, das Zacharias im Benediktus besingt. Aus christlicher Sicht ist Johannes der Wegbereiter Jesu, und so lässt es Lukas auch durch den Mund des Zacharias verkünden.

Zacharias ist ein Mann voller Sehnsucht, doch er hat diese Sehnsucht vergessen und verdrängt, so sehr, dass seine Zunge und seine Seele gelähmt waren. Jetzt aber löst sich die Lähmung und die Hoffnung kehrt zurück. Zacharias gewinnt wieder Anschluss an die große Hoffnungstradition seines Volkes, daran, dass Gott frei macht, dass er barmherzig ist und dass er sein Volk besucht.

 Zacharias wagt wieder zu hoffen. Befreit vom Kleinglauben beginnt er zu jubeln und stimmt seinen Lobgesang an.

An alle Zachariasse unter uns, männlich oder weiblich: Wenn auch in Dir die Sehnsucht auf Erfüllung und Glück, auf Gerechtigkeit und Frieden nur noch schwach glimmt, dann schließe Dich jetzt im Advent an die große Hoffnungstradition unseres Glaubens an. In diesen Tagen des abnehmenden Lichts vertraue darauf, dass Gottes Licht kommt, dass Gott frei macht und barmherzig ist. Gott wird sein Volk besuchen.

Amen.

„Der Friede Gottes, welcher höher ist als die Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“
Amen  

Lied: 19, 1-3 „O komm, o komm, du Morgenstern“

Fürbitten

Lasset uns beten zu Jesus Christus, dem Licht der Welt, das Johannes am Jordan angekündigt hat. Wir bitten dich:

Sei Licht für uns Kinder in schönen und in traurigen Tagen.

Sei Licht für uns alle, damit wir dein Licht weitergeben können.

Sei Licht besonders für die Menschen, die noch nichts von deiner Liebe wissen.

Sei Licht für die Kranken daheim oder im Krankenhaus, damit sie einfühlsam betreut werden.

Sei Licht für die Welt, damit alle Menschen in Frieden leben können. 

Sei Licht für die Verstorbenen und lass sie die Herrlichkeit Gottes schauen.

Herr, Jesus Christus, du bringst Licht in unser Leben. Dafür danken wir dir und preisen dich jetzt und in Ewigkeit.

Vater unser

Segen

Gott sei Licht auf deinem Wege.
Er sei bei dir, wenn du Umwege und Irrwege gehst.
Er nehme dich bei der Hand und gebe dir viele Zeichen seiner Nähe.
Er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

So segne euch Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen