Eindrücke

09. 10. 2020 - Allein der Titel der Veranstaltung des Evang. Bildungswerkes Timelkam weckte viele Erwartungen bei den Besuchern und Besucherinnen. Und es kamen derer viele; die Johanneskirche war bis auf den letzten Platz, soweit Corona bedingt zulässig, besetzt!

In der Begrüßung wies Dr. Franz Reiner auf den Welthospiztag hin und ging auf die Wichtigkeit der Hospiz-Organisation ein, die nur teilweise von der öffentlichen Hand finanziert wird und daher auf Spenden angewiesen ist.

Text und Musik verbanden sich im Aufführungsprogramm auf verschiedenste Art: Gedichte, gelesen von der Sprecherin Elke Lehner-Schneider, wechselten sich mit Musik ab, tauchten aber auch mitten in der Musik auf.

„Die Musik selber ist nicht als Illustration, vielmehr als Kommentar zu den Texten angelegt“ – so der Kommentar von Komponist Walter Kienesberger, der selbst auch unter den Zuhörern anwesend war.

Die Musikvirtuosen Beate Kirchner(Flöte), Bernadette Filger-Raffelsberger (Violoncello), und Gabriela Hessenberger (Klavier) als Gruppe „Trio Aquarelle“ sowie Lukas Raffelsberger an der Orgel begeisterten das Publikum.

Der Zyklus bestand aus Texten alter und vor allem neuerer Dichter des 20. Jahrhunderts, wie auch aus Beiträgen der Sprecherin Lehner-Schneider.

Ebenso gemischt, aber sorgfältig aufeinander abgestimmt wurden von den Instrumentalisten besinnliche, aber auch moderne Weisen zeitgenössischer Komponisten, eingerahmt von Kompositionen von Walter Kienesberger, mit viel Gefühl dargeboten.

Atemlose Stille unterstrich das Publikumsinteresse, man hätte die sprichwörtliche „Nadel“ fallen hören können.

Die Veranstalter konnten sich über den guten Besuch freuen – man konnte auch die Sehnsucht nach solchen Kulturangeboten in dieser besonders fordernden Zeit spüren, wie manch Besucher in persönlichen Gesprächen betonte. Langer Applaus, gefolgt von einer Zugabe, brachte den Dank der Besucher über die hohe Qualität des Abends zum Ausdruck!

Text und Foto: Erasmus Grünbacher


Musik und Poesie

„Die Musik ist ein Glashaus am Hang,
wo die Steine fliegen, die Steine rollen.
Und die Steine rollen quer hindurch,
doch jede Fensterscheibe bleibt ganz.“[1]

Musik und Gedichte, der jetzigen Situation trotzend und gleichzeitig auch ein wenig als Antwort darauf; so spannte sich der Faden durch die Abendveranstaltung in der evangelischen Kirche Timelkam.
Die Gedichte, der Musik entsprechend ausgewählt und ganz besonders lebendig vorgetragen von Elke Lehner-Schneider, standen im Dialog mit Musik des Gschwandtners Walter Kienesberger und Werken von Haydn und Piazzolla.
Die beiden von Lukas Raffelsberger gekonnt interpretierten Orgelwerke, ein tänzerisches Präludium und eine mit Klangflächen experimentierende Meditation, ließen schon die Spannbreite des anwesenden Komponisten erkennen. Auch das „Trio Aquarelles“, Beate Kirchner (Flöte), Bernadette Filger-Raffelsberger (Cello) und Gabriela Hessenberger (Klavier) schaffte es, ein gewaltiges Spektrum an musikalischen Formen und Gefühlszuständen einfühlsam darzustellen.

Während man am Anfang des Konzerts Musik und Poesie noch im abwechselnden Vortrag erlebte, verschwammen die Grenzen im zweiten Teil. Auf äußerst raffinierte Art und Weise zeigten gemeinsame Werke von Elke Lehner Schneider und Walter Kienesberger, wie Instrumentalmusik und Rezitation einander bereichern können. Besonders eindrucksvoll, gerade im heutigen Kontext, war auch die Musik zu einem, den Zustand der Welt beklagenden Lamento des Namensvetters Walter von der Vogelweide. Die Vortragenden wurden mit einem, natürlich den Vorgaben entsprechenden, ausverkauften Haus und langem Applaus belohnt, der den ideenreichen, spannenden und niveauvollen Abend beschloss.

[1]  Tomas Tranströmer: Allegro, in: Sämtliche Gedichte. Aus dem Schwedischen von Hanns Grössel. München: © 1997 Carl Hanser Verlag München Wien